Projekte
Von Amtsstuben zu Studentenbuden

Die Idee
Das ″Alte Finanzamt″ am Heinrich-von-Bibra-Platz in Fulda wird zu einem sozial ausgerichteten aber nicht öffentlich geförderten ″flippigen″ Studentenwohnheim umgebaut. Alte Gebäude haben eine Zukunft, wenn sie einer modernen Nutzung zugeführt werden. Das äußerlich weitgehend unveränderte, denkmalgeschützte Gebäude soll im Inneren ein unkonventionelles Design erhalten. Mit dieser ″Bildungsinvestition″ soll das Image Fuldas auf privater Basis gefördert, die Zukunftsfähigkeit gestärkt und in der Zeit der Finanzkrise ein gegenläufiges Signal gesetzt werden.Die Lage
Das Gebäude des ″Alten Finanzamts″ befindet sich am nördlichen Rand der Fuldaer Innenstadt, direkt neben dem historischen Schlossgarten, quasi auf halbem Weg zwischen Hochschulcampus und der Fuldaer Alt- und Innenstadt. Fußläufig ist die Innenstadt in ca. 5 Minuten zu erreichen, ebenso wie der Hauptbahnhof mit ICE-Anbindung und die beiden zentralen Fuldaer Busbahnhöfe. Am ″Heinrich-von-Bibra-Platz″ liegen neben dem Finanzamt die Christus-Kirche, die Hochschul- und Landesbibliothek, das Naherholungsgebiet Schlossgarten, die Hauptpost und die Jugendstil-Bebauung der Lindenstraße. In der Zukunft wird der Platz durch einen Neubau auf dem Grundstück des alten Hallenbades gefasst.Die Historie

Der ″Heinrich-von-Bibra-Platz″ ist benannt nach dem vorletzten Fuldaer Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra, hieß zuvor Viehmarkt und diente z.B. im 18. / 19. Jh. den hier kasernierten fürstlichen Leibhusaren als Exerzierplatz. Über den Platz führte die für ganz Deutschland wichtige Handelsstraße Frankfurt – Leipzig.
In der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Stadt Fulda, steht zum ″Alten Finanzamt″ Folgendes:
„Das Finanzamt wurde in der Zeit der Nazi-Diktatur durch das Reichsbauamt Kassel errichtet, wo bis 1914 das Gebäude der im 18. Jh. betriebenen Fuldaer Porzellanmanufaktur stand. Geradezu demonstrativ wurde der Bau platziert im Gegenüber zu der nur kurze Zeit vorher erbauten Landesbibliothek, die stilistisch dem „Neuen Bauen“ der zwanziger Jahre verpflichtet ist. Der Verwaltungsbau des Dritten Reiches fällt dagegen in eine traditionell-konservative Formensprache zurück: Ein langgestreckter Baukörper von 22 zu 3 Fensterachsen trägt ein mächtiges Walmdach mit regelmäßig gesetzten, abgewalmten Gaupen. Ein halbrunder Treppenturm mit verschiefertem Fachwerk-Obergeschoss und gedrückter Kuppel erschließt den östlichen Bereich des Gebäudes, das rundbogige Hauptportal mit der Jahreszahl 1937 den westlichen. Im Innern ist die alte Ausstattung noch weitgehend erhalten, die Holzfigur eines steuerzahlenden Bauern von Josef Enders befindet sich im Treppenhaus.“Die komplette Geschichte dieses historisch sehr trächtigen Heinrich-von-Bibra-Platzes wurde von Klaus Burg wissenschaftlich zusammengetragen und in einem Triptychon (ein dreigeteiltes Gemälde) von dem regionalen Künstler André Frank humoristisch zusammengefasst. Dieses Gemälde ist im Treppenaufgang des Studentcampus zu betrachten. Damit der Sinn des Bildes und die Historie des Platzes für die Studenten gut erschlossen werden kann, wurde im Haus zudem 7 große Plakate aufgehängt, die die einzelnen Abschnittes des Gemäldes erklären. Für das restliche Treppenhaus wurde der Stil des berühmten Künstlers Andy Warhol aufgegriffen und auf das Thema Heinrich-von-Bibra-Platz übertragen. Somit ist der Studentencampus nicht nur ein perfekter Wohnort für Studenten, sondern auch ein Musterbeispiel für Kunst und Geschichte am Bau.
Interessierte können sich die 7 Plakate hier herunterladen.
Die Studenten

Nach Auszug der Behörden ist das denkmalgeschützte ″Alte Finanzamt″ zu einem „Studenten-Campus“ umgebaut worden. Alle Einheiten sind an das Studentenwerk Gießen vermietet. Das fertig gestellte Gebäude wird im Herbst 2009 dem Studentenwerk Gießen als Hauptmieter übergeben. In dem Gebäude befinden sich im Erdgeschoss, 1. Ober-, 2. Ober- und Dachgeschoss insgesamt 81 Studenten-wohnungen von ca. 20 bis 46 Quadratmeter Größe. Ein Teil der Studentenwohnungen ist behindertengerecht ausgestattet, ein Teil als WG-Wohnungen vorgesehen.
Bei der Projektentwicklung wird in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde sehr sorgsam in das unter Denkmalschutz stehende Gebäude eingegriffen. So soll das bestehende Treppenhaus als Haupterschließung unverändert bestehen bleiben. Ebenso erfährt die Fassade zum Heinrich-von-Bibra-Platz bzw. zur Christus-Kirche mit Ausnahme einer neuen Farbgebung keine Änderung. Lediglich die zum Schlossgarten, mit Sicht auf den Frauenberg, stehende Nordseite des Dachgeschosses wird, auch in Abstimmung mit dem Denkmalschutz, flächenmäßig geöffnet, so dass im Dachgeschoss ebenfalls Studentenwohnungen untergebracht sind.
Alle Studentenapartments erhalten eine sehr moderne Nasszelle mit Waschtisch, wandhängendem WC und Dusche. Jedes Apartment hat im Wohnbereich einen Internet fähigen Telefonanschluss und Kabel-TV, alternativ Satelitten-Anschluss. Zu jedem Apartment gehört ein Abstellraum. Daneben sind im Kellergeschoss Waschräume und Fahrrad-Abstellräume untergebracht. Die Apartments sind komplett mit Schreibtisch, Bett, Tisch, Stühlen, Kleider-, Küchenschrank und Küchenzeile möbliert. Dieses besondere Wohnangebot und die perfekte Lage des Gebäudes wird von den Studenten mit Begeisterung aufgenommen und sorgte dafür, dass alle Appartements das Studentenwohnheim schon am ersten Tag voll belegt waren.
